Ganz Europa zieht es nach Metzingen – schließlich befindet sich hier „Outletcity“, das größte Outletcenter des Kontinents. Durch die Nähe zu Stuttgart und die gute Verkehrsanbindung ist die Stadt aber auch für Tagungsgäste interessant. Für seine Kolumne „Rathgeber Fine Hotels“ ist unser Autor Carsten K. Rath immer auf der Suche nach den besten Adressen für Geschäftsreisende. In Metzingen besucht er das „Hotel & Restaurant Schwanen“ – ein privat geführtes Haus, das ihn in vielerlei Hinsicht überrascht.

Die meisten denken bei Metzingen zuerst ans berühmte Outletcenter – und vielleicht an Hugo Boss. Doch viele der viereinhalb Millionen Besucher, die Jahr für Jahr hierherkommen, brauchen mehr als nur neue Kleidung: Sie benötigen einen Platz zum Übernachten. Hier kommt die Hotellerie ins Spiel. Und die ist spannender, als man es in einer Stadt voller Shoppingtouristen und Rabattjäger erwarten mag. Eine der interessantesten Adressen ist das „Hotel & Restaurant Schwanen“, ein familiengeführtes Vier-Sterne-Hotel mitten in der Innenstadt. Es verspricht schwäbische Tradition, modern interpretiert, und soll zudem einige spannende Möglichkeiten für Businessreisende bieten. Das sehe ich mir genauer an.

Familiengeführte Herzlichkeit in dritter Generation
Die Lage ist ideal – nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt und mitten im Outlet-Vergnügen. Beim Einchecken werde ich ausgesprochen charmant willkommen geheißen: Alle grüßen herzlich, sprechen mich mit Namen an. Die Chefin kommt sofort hinzu und möchte mir alles zeigen. An den Wänden hängen Fotos prominenter Gäste, die hier bereits übernachtet haben – von Franz Josef Strauß über die Klitschkos bis hin zum jungen Kai Pflaume. Letzterer soll sogar einmal in der Sauna geschlafen haben, weil kein Zimmer mehr frei war. Diese Anekdote spricht definitiv für das Haus.

Seit 1954 entwickelt die Familie Wetzel den „Schwanen“ stetig weiter und hat ihn zu einem Vier-Sterne-Hotel mit Restaurant ausgebaut. Im Jahr 2020 übernahm der Sohn Tim Wetzel die Geschäftsführung. Er hat das Hotelfach von Grund auf gelernt, mit Stationen im „Bayerischen Hof München“ und im „Mandarin Oriental Kuala Lumpur“. Schwester Anja verantwortet Marketing, Catering und den Markenauftritt. Auf der Website heißt es: „Unsere Philosophie verbindet nicht nur Tradition und Innovation, sondern vor allem Menschen.“ Genau das spüre ich auch: Hier herrscht Herzlichkeit von der ersten Minute an – getragen von engagierten Mitarbeitern, die sich mit Herz und Kompetenz um ihre Gäste kümmern.

Seit 2016 zieht das „Bonn Marriott Hotel“ Gäste aus aller Welt an – Geschäftsreisende ebenso wie Tagungsteilnehmer und Städtetouristen. © Bonn Marriott Hotel

Komfortabel übernachten, inspiriert arbeiten
Der „Schwanen“ verfügt über 72 individuell gestaltete Zimmer in den Kategorien Small, Large und Atelier/Studio. Jedes Zimmer folgt einem eigenen Farbkonzept – mal modern interpretiert, mal eher klassisch gehalten. Mein Zimmer gehört zu den moderneren Varianten und gefällt mir gut: Bodentiefe Fenster fluten den Raum mit Licht, seitliche Spiegel verstärken diesen Effekt und lassen ihn großzügiger wirken, als er tatsächlich ist. Alles ist sauber und ordentlich. Einzelne Designerstücke von Fritz Hansen setzen elegante Akzente, die dem Zimmer eine hochwertige Note verleihen. Besonders freue ich mich über die kleinen Details, die den Aufenthalt komfortabler machen – von der hochwertigen Bettwäsche bis zum Raumbelüfter, der für frische Luft sorgt. Auch das Bad mit seiner großzügigen Walk-in-Dusche trägt dazu bei, dass ich mich hier rundum wohlfühle. Für ein Vier-Sterne-Hotel ist das alles absolut überzeugend.

Obwohl die Nähe zum größten Outletcenter Europas vermuten lässt, dass hier vor allem Shoppingbegeisterte übernachten, kann ich das Haus auch für Businessreisende empfehlen. Sechs moderne Tagungsräume stehen für Workshops, Schulungen, Seminare oder kreative Meetings bereit. Das Highlight ist der sogenannte „Work.Shop“ – 220 Quadratmeter groß, lichtdurchflutet und mit modernster Technik ausgestattet.

Aufpassen sollte man allerdings bei den kleinen Fallstricken außerhalb des Hotels: Wer in Metzingen ein Taxi über die Zentrale ruft, zahlt eine Anfahrtspauschale von bis zu zehn Euro, bei Kartenzahlung kommen weitere drei Euro hinzu. Für viele Besucher dürfte das sehr abschreckend wirken und ein Grund sein, sich beim nächsten Mal für eine Alternative zu entscheiden.

Die modern gestalteten Badezimmer bieten Marmorbäder, großzügig beleuchtete Spiegel und Pflegeartikel der historischen Luxusmarke „Acca Kappa“. © Bonn Marriott Hotel

Kulinarik auf Fünf-Sterne-Niveau
Das Frühstücksbuffet ist ein Erlebnis für sich: von der Blutwurst wie frisch vom Metzger an der Ecke bis zur Auswahl an Beeren, Gemüse und passenden Kräutern zu verschiedensten Brotsorten. Käse und Wurst schmecken, als kämen sie direkt aus der Käserei oder Metzgerei. Das ist nicht Vier-Sterne-Standard – das ist hohes Fünf-Sterne-Niveau. Gerade im Vergleich zu vielen Kettenhotels, wo Obstsalat aus dem Eimer serviert wird, zeigt sich hier, wie viel Liebe und Persönlichkeit in einem Frühstück stecken kann.

Auch das mehrfach ausgezeichnete Hotelrestaurant „Zur Schwane“ überzeugt mich. Die schwäbische Seele spüre ich hier überall, im Interieur mit regionalen Materialien ebenso wie auf dem Teller. Viele Klassiker stehen auf der Karte: Käsespätzle, Kalbsmaultaschen und Alblinsen. Ich erfahre, dass rund 70 Prozent der Zutaten aus der nahen Umgebung und aus ökologischer Erzeugung stammen. Diese Qualität schmeckt man heraus. Die Liebe zur Region zeigt sich auch im Design: Im Restaurant hängt ein neun Meter langes Panoramabild der Schwäbischen Alb, auf verschiedenen Stoffbahnen umgesetzt. Es wirkt beinahe dreidimensional. Zusammen mit viel Naturholz und grünen Farbakzenten entsteht eine Atmosphäre, die zugleich gemütlich, heimisch und zwanglos ist. Bei gutem Wetter empfehle ich die Terrasse – unter den alten Kastanienbäumen lässt es sich wunderbar entspannen.

Die modern gestalteten Badezimmer bieten Marmorbäder, großzügig beleuchtete Spiegel und Pflegeartikel der historischen Luxusmarke „Acca Kappa“. © Bonn Marriott Hotel

Wer nach Metzingen reist, sollte unbedingt das „Schwanen“ wählen: Es ist ein echtes „Fine Hotel“. Hier verbindet sich die persönliche Note eines Privathauses mit der perfekten Lage mitten im Shoppingparadies. Dazu kommen die Küche, die mit ihrer Qualität und Frische überzeugt, und eine Gastfreundschaft, die den Aufenthalt vom ersten Moment an besonders macht. Ein Haus, das Metzingen auf die bestmögliche Weise repräsentiert – und das Standards vorlebt, die in vielen Kettenhotels auf gleichem Niveau fehlen.

Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet)

  1. Ganz großes Kino
  2. Wenn’s nur immer so wäre
  3. Meckern auf hohem Niveau
  4. So lala, nicht oh, là, là
  5. Besser als unter der Brücke
  6. Ausdrückliche Reisewarnung
Name
„Hotel & Restaurant Schwanen”
Ort Metzingen
Stadtteil Innenstadt
Zimmerpreis pro Nacht (von – bis)
Ca. 120 Euro („Small Einzelzimmer“) bis ca. 200 Euro („Atelier/Studio Doppelzimmer“
Flughafen
Flughafen Stuttgart (STR)
Anreise 500 Meter vom Bahnhof Metzingen
22 km vom Flughafen (STR)
Kein Spa oder Fitnessraum
Besondere Empfehlung Im November lädt das Hotel zum „Gänsekulinarium“ ein – ein festlicher Abend, bei dem ein klassischer Gänsebraten serviert wird, begleitet von ausgewählten Weinen des Weinguts Wittmann.